auf's Ganze

Second Header Text....



Trainingstagebuch von Dirk Witzenhause (1)


21.05.2005
Am 19.05.2004, so hatte ich verkündet, erfolgt mein letzter Eintrag. Nun
gibt es doch noch einen kleinen Nachschlag.

Beim Schreiben des Tagebuches am Donnerstag war ich ziemlich am Boden. Mein
Fuß machte keinerlei anstalten sich zu bessern. Alles Kühlen und Einreiben
half nicht. An Frank hatte ich schon eine halbe Absage formuliert. Falsch,
es war schon eine ganze Absage.
Alle Vorbereitung war umsonst. Wenn du läufst, dann wirds noch schlimmer
und du kannst ein halbes Jahr nicht mehr Laufen. Nächstes Jahr ist wieder
ein Rennsteiglauf, bekam ich zu hören. Die Fußpflegerin, die mir am
Donnerstag noch die Zehennägel auf Vordermann bringen sollte, riet zum
Arztbesuch und Fersenkeilen.
Am Freitag entschloß ich dann, mich bei einem Orthopäden vorzustellen und
telefonisch voranzumelden. Am anderen Ende der Telefonleitung bekam ich
dann zu hören: "Na da müssen se kommen, aber bringen sie Zeit mit. Und
vergessen sie die 10 Euro nicht."
So war auch dieser Entschluß hinfällig.
Kurz danach klingelte mein Telefon und ich wurde beauftragt einen
Bienenschwarm in der Erfurter Innenstadt einzufangen. Das klappte gut und
lenkte mich auch etwas ab.
Dann erhielt ich vom Frank noch einen recht einfachen, aber letztendlich
sehr hilfreichen Tipp. Ich solle an das Gute im Körper denken und damit die
Selbstheilungskräfte aktivieren und weiter kühlen. Das hab ich dann auch
gemacht.
Samstag früh war die Nacht sehr zeitig zu Ende. Zunächst setzte ich den
Schwarm in eine Beute. Die Bienen waren wahrscheinlich genauso müde wie ich
und wahrscheinlich sauer, das ich sie geweckt habe. Jedenfalls bedankten
sich einige auf ihre,ihnen von Gott gegebene, eigene Art. So durfte ich
noch feststellen, das die Laufbekleidung nicht "bienentauglich" ist.
Meine Frau und mein Kleiner warteten schon im Auto, denn 6 Uhr war ja
Treffpunkt an der Thüringenhalle. Mit Badelatschen und Kühlakku in der
Socke empfing ich dort die Startunterlagen.
Die Fahrt nach Neuhaus gestaltete sich problemlos und ich konnte noch ein
wenig vor mich hin dösen.
Ich gesellte mich zu den Läufern die mit dem Zeitziel 5 - 5.30 starten
wollten. Endlich war es 9 Uhr. Etwa 3 Minuten später ging es für uns über
die Startlinie. Bei jedem Schritt merkte ich meinen Fuß. Ich gewöhnte mich
aber relativ schnell daran. Nach circa 2 Kilometern erschien mir das
angeschlagene Tempo als zu gering und erhöhte das Tempo etwas. Es ging gut,
zumal ich das Feld " langsam aber sicher von hinten aufrollen Konnte". An
der ersten Verpflegungsstelle büßte ich, wie sich im Nachhinein
herausstellte, wichtige Zeit ein. Der Reißverschluss meiner Laufhose
verklemmte sich und ich kam ewig nicht an mein Magnesiumbriefchen. Aber
dann ging es zum Glück weiter. Die Zuschauer am Rand feuerten uns
begeistert an. Tolle Atmosphäre.
Bei dem nächsten Verflegungspunkt hab ich im Gehen getrunken, mir eine
Handvoll Äpfel und Bananenstücke gekrapscht. Diese wurden während des
Laufens problemlos vernascht.
Jetzt kam die Schlucht, welche ich vom Vorbereitungslauf her kannte. Komm
ich da heil durch? Ja, da der Läuferandrang so groß war, das stellenweise
nur gehen möglich war. Das wollten allerdings zwei ältere grauhaarige
Herren nicht glauben und versuchten riskanterweise zu überholen.
Sie nötigten mich regelrecht auszuweichen und über meinen lädierten Fuß
eine Ausweichbewegung zu vollziehen. Cirka 300 Meter später hab ich sie
dann wieder überholt.
Wieder ein Verpflegungspunkt. Jetzt versuche ich mich an der
Haferschleimsuppe. Gar nicht so übel. Nun noch ein Wasser zum Nachspülen.
Doch es kommt kein Mineralwasserstand mehr. Cola haben wir im Angebot. Nun
gut, nochmal 50 Meter zurück zum Wasserstand.
Weiter geht es. Bei Kilometer 37 das erste zwicken im rechten Oberschenkel.
Dann springt es auf die andere Seite und wieder zurück. Ein erfahrener
Marathoni sagte mal, wenn das beginnt hast du die Hälfte der Strecke
geschafft. Zähne zusammenbeißen ist angesagt. Warum gibt es denn nur nicht
mehr Kilometeranzeigen? Ich frag einen Streckenposten, Kilometer 40? Ja
sagt er, aber erst eine Weile später dann das Schild. So ein Mist. Endlich
Schmiedefeld. Keine Abkürzung über die Straße? Nein. Es geht über den
Fußweg. 4 Stunden 57 zeigt meine Uhr. Der Berg ist da, aber wo sind die
Zuschauer die mich mit ihren Anfeuerungsrufen den Berg hoch tragen?? Vor
einiger Zeit hab ich hier mal geschrieben der Berg ist gar nicht so
schlimm. Das muss er wohl gelesen haben und die Steigung noch erhöht haben.
Nun gibts doch ein wenig Beifall und ich hole die letzten Kräfte aus mir
heraus. Endlich oben, nur noch ein paar Meter. Doch was ist das? Der
Zieleinlauf ist zweispurig? Muss ich jetzt noch eine Stadionrunde laufen?
Nein, brauch ich nicht, schließlich hängt da eine schöne Medaille um meinen
Hals. Wo ist meine Frau und mein Sohn? Aber sie haben mich schon
anvisiert. Ich habs gepackt. Zeitziel? Nicht geschafft. Scheiß egal. Ich
hab meinen ersten Marathon geschafft, Wahnsinn.

So, nun ist aber unwiderruflich Schluß mit dem Lauftagebuch. Ich hab noch
ein wenig Muskelkater, der Zustand meines Fußes hat sich nicht weiter
verschlechtert, ich bin froh und glücklich zu den Drei DIngen die ein Mann
tun sollte noch ein "viertes Marathonding" hinzuzufügen.
Ich möchte nun nochmal Danke sagen, Danke an meine Frau, die für mein in
der Vorbereitung viel Zeit benötigendes Hobby viel Verständnis zeigte und
auch den Garten allein beackerte, Danke an Frank und sein Team für die
Unterstützung und nicht zuletzt Danke an die Organisatoren des
Rennsteiglaufes. Die Aktion" Geh aufs Ganze" war ein voller Erfolg.

So, na dann

Man sieht sich, spätestens zum Rennsteiglauf 2006

19.05.2005
Heute sollte die Vorbereitung mit einem kleinen Dauerlauf enden. Aber seit
Dienstag nachmittag kann ich mich nur noch humpelnd vorwärts bewegen. Jetzt
wirds eng.

Mit diesem Eintrag schließe ich nun mein Lauftagebuch. Es hat Spaß gemacht
meine Erlebnisse und Eindrücke niederzuschreiben und dem Einen oder Anderen
Einblick in meine Vorbereitung zu geben. Ich wurde bei den Lauftreffs
einige Male daraufhin angesprochen.- "Du bist doch der aus dem Internet"-.
Man teilte mir mit, dass ich mit dem niedergeschriebenen manch anderen
Teilnehmer auch ein wenig Mut gemacht habe, das große Ziel, den
Rennsteiglauf zu bestreiten und durchzuhalten. Das freut mich natürlich
auch. Gleichzeitig hat dieses Tagebuch mich in die Pflicht genommen,
regelmäßig zu trainieren. So wie die Aktion "Aufs Ganze zu gehen". Wäre
nicht die Unterstützung durch Frank und sein Team, die gemeinsamen
Vorbereitungsläufe gewesen, wäre die Herausforderung sehr wahrscheinlich
zum vierten Male auf später verschoben worden. Denn der Marathon aus der
kalten zu bestreiten, wäre in jedem Fall zum Scheitern verurteilt. Diese
Erkenntnis jedenfalls existierte schon.
Mein Vorhaben bis zum 21. mein angestrebtes Wettkampfgewicht zu erreichen
ist gescheitert. Trotzdem bin nicht ganz unzufrieden. Was das Gewicht
betrifft ist das wenigstens wieder zweistellig.
Vielleicht sage ich nach dem Rennsteigmarathon, nie wieder, aber ich glaub
schon das ich mich nach kurzer Zeit nach dem Termin in 2006 erkundige.
Laufen werd ich weiterhin, wenn es sich anbietet, am besten in
Gemeinschaft.
So, jetzt bleibt mir nur noch den "Marathonis" die Daumen zu drücken und zu
wünschen das alle gesund und munter in Schmiedefeld ankommen und die selbst
gesteckten Zeitziele erreicht werden.
Tschüß

16.05.2005
Vom Finanzamt gefordert gehts heute nochmal nach Sömmerda. Begleitet werde
ich diesmal mit dem Fahrrad von Frau und Sohn. Das verleitet zu höherem
Tempo. Trotz Schlamm und Pfützen, oder auch deswegen bin an manchen
Abschnitten schneller als meine Betreuer. Nachdem wir uns dann am
Hausbriefkasten des Finanzamtes der angeforderten Unterlagen entledigt
hatten, ging es ein wenig gemächlicher zurück. Nur drückte schon die an den
Vortagen schmerzlich vermißte Sonne. Ja wie wird denn nun das Wetter am
Samstag?
Von meinem Sohn hab ich einen Tragegürtel für Handy und Trinkflasche und
diverser anderer Utensilien aus dem Laufladen zum Geburtstag geschenkt
bekommen. Ist ja aber auch gewöhnungsbedürftig. Bei längeren Alleinläufen
gerade in der wärmeren Jahreszeit eigentlich unverzichtbar. Mit dem Trinken
unterwegs klappts mittlerweile auch. Aber am 21. werd ich zum Trinken wohl
die eine oder andere Gehpause einlegen.
Ja, am Donnerstag will ich nochmal einen lockeren Trab hinlegen und dann
endet meine Vorbereitung auf meinen ersten, und vielleicht auch letzten
Marathon. Dann wird sich auch mein Lauftagebuch schließen.

11.05.2005
Heute passt es. Das Essen steht erst später an und wir joggen heute
flußaufwärts. Unterwegs krieg ich Sodbrennen, naja, über den Tag soviel
Kaffee wie hier trinke ich selten. Aber auch das vergeht. Das Tempo ist
heut um einiges schneller, ohne das das so besprochen war. Aber vielleicht
kommt mir das auch nur so vor. Danach noch intensives Dehnen. Auch auf die
Gefahr, das nun Einigen das Wasser im Munde zusammenläuft, am Abend gab es
Lachs und Spargel.

10.05.2005
Nach über 5 Stunden anstrengender Autofahrt komme ich in meinem Zielort
nahe Lüneburg an. Am Abend nach dem Abendessen finden sich ganz spontan
einige Jogger. Entlang der Elbe sind wir ca. eine Stunde unterwegs. Das
laufen fällt schwer, kein Wunder, mit dem Abendbrot im Bauch. Aber die
Umgebung ist toll, das Wetter nicht unbedingt. Wir sehen zwei Störche, die
uns auch ein Stück des Weges begleiten. Am Ende finden sie es aber
langweilig und widmen sich wieder den Fröschen. Die Sonne, ein feuerroter
Ball verschwindet am Horizont.

08.05.2005
Heut steht mein vorerst letzter langer Lauf auf dem Programm. Nachdem mir
mein Sohn einen Korb gegeben hat, er wollte mich auf dem Fahrrad begleiten,
ging es über Feldwege in Richtung Sömmerda. Es war relativ frisch, aber die
Sonne schien. Die Rapsfelder blühen herrlich und verstreuen ihren Duft. Das
Laufen macht richtig Spaß. Aufgrund dessen beschließe ich mir noch etwas
Nachschlag zu holen und komme so auf etwas über 30 Kilometer. Habe beim
Laufen für mich nun endgültig festgelegt, welche Schuhe und welche
Bekleidung zum Rennsteiglauf zum Einsatz kommen.

05.05.2005
Um wandernden Gesellschaften am heutigen Männertag zu umgehen, starte ich
schon kurz vor 8 Uhr. Ein Ausdauerlauf über 25 Kilometer zur
Tempobestimmung stehen an. Gut das ich den Rennsteigtrainingslauf doch
mitgemacht habe, denn von meiner ursprünglichen Taktik, wie der Marathon zu
bestehen ist, bin ich dadurch abgekommen.
Hauptsächlich Feldwege, aber auch Betonstraßen sind heute der
Laufuntergrund. Drei kleinere Steigungen sind auch dabei. Ich werde
ziemlich schnell Pflastermüde und mein Knie beschwert sich über die
Belastung. Na was solls. Der Aufforderung lieber ein Bier zu trinken als
durch die Prärie zu " hüpfen", komme ich nicht nach, sodass ich nach 2
Stunden 21 Minuten zu Hause ankomme.

03.05.2005
Die Strapazen vom Sonntag habe ich gut weggesteckt. Am Abend bleibt etwas
Zeit um zu Laufen. Drei mal 4 Kilometer nach Zeit mit jeweils 10 Minuten
Pausen dazwischen. Ich liege bei jeder Strecke knapp unter 20 Minuten.
danach noch etwas auslaufen und dehnen. Leider ist es nicht mehr so warm.
Dafür fliegen jede Menge Insekten durch die Luft. Wär ich ein Vogel, könnt
ich nicht nur fliegen, dann wär ich heut auch schon satt.

Seite: 1 2 3 4 5

 

Aufs Ganze 2013 - es geht weiter

Hier erfahren Sie wie es 2013 mit der Aktion weitergeht.

Aktionen 2011 / 2012

  • Mit dem 21. Rennsteig - Herbstlauf von Neuhaus nach Masserberg fiel am 09. Oktober 2011 der Startschuss für die Aktion "Aufs Ganze" 2012.
  • Den zweiten Teil der Rennsteiglauf-Marathonstrecke zwischen Dreistromstein und Schmiedefeld können Sie im Rahmen des 33 km langen Trainingslaufes am 22. April 2012 erkunden. Hier können sich anmelden.