auf's Ganze

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Mein erster Rennsteiglauf - Marathon

Mein erster Rennsteiglauf-Marathon
von Veronika Knabe

In 2008 lief ich meinen zweiten Halbmarathon auf dem Rennsteig. Schon kurz vorher hab ich mir überlegt, dass es doch auch ganz schön wäre mal den „Ganzen“ zu schaffen. Nach dem Lauf in Schmiedefeld trafen wir uns vom Rennsteiglauf-Forum und haben zusammen gefeiert. Hm, fast alle waren den Marathon oder gar den Supermarathon gelaufen. Da fasste ich endgültig den Entschluss: ich will auch den Marathon laufen. Als ich wieder zu Hause war buchte ich als Erstes ein Hotel in Neuhaus für 2009, da ich von Oberhof wusste, dass die Unterkünfte eigentlich schon ein Jahr im Voraus vergeben sind. Relativ schnell gelangte ich zur Internetseite der Aktion „Aufs Ganze“. Ich überlegte dann, ob ich das wirklich hinbekomme. Immerhin waren es 7 Vorbereitungsläufe, die angeboten werden und ich ja nun nicht gleich um die „Ecke“ wohne, sonder im ca. 350 km entfernten Marbach/Neckar. Am ersten Novemberwochenende 2009 war dann die Auftaktveranstaltung der Aktion im Hotel Endspurt in Schmiedefeld. Außerdem fand der erste Gipfellauf statt. Ich beschloss mir das mal anzuschauen. Zusammen mit einer Freundin fuhren wir Freitagnachmittag los. Freitagabend war dann gemütliches Beisammensein angesagt. Bereits da war klar, wir werden viele nette neue Leute kennenlernen. Samstag gab es dann morgens Alternativtraining mit Flexi Bar und anderen Foltergeräten, danach wurde die Aktion „Aufs Ganze“ ausführlich vorgestellt. Ein Vortrag über Ernährung rundete das Programm an diesem Tag ab. Das alternative Trainingsprogramm führte bei mir dazu, dass ich am Samstagabend schon tierisch Muskelkater hatte. Sonntag stand ich dann auf und war mir sicher, dass ich keinen Gipfel hoch laufen kann. Ich konnte doch. Schön langsam und ohne Hetze lief ich in der Gruppe mit Frank Lehmann seiner Frau Martina, Petra und Holger. Schon bei diesem Lauf stellte ich fest, dass auch ich als „Schleichtier“ mich nicht fehl am Platze fühlen muss. Das war ein schönes Gefühl. Nach diesem Wochenende stand dann fest, dass ich mich für die Aktion anmelden werde. Ich musste ja nicht alle Trainingsläufe mitmachen aber ein paar.

Mein Trainingsumfang während der Marathonvorbereitung lag pro Woche zwischen 30 und 45 km, verteilt auf drei Tage. Mehr Zeit konnte und wollte ich aber auch nicht investieren. Mein Ziel am Rennsteig lautete ankommen und insgeheim dachte ich, wenn es so ganz knapp unter 6 Stunden werden, wäre das richtig toll.

Am 14. März 2009 ging es dann los mit den gemeinsamen langen Trainingsläufen der Aktion „Aufs Ganze“. Der erste ging durch das Ilmtal bei Bad Berka. Dieser passte leider nicht in meinen Terminkalender und ich lief zu Hause einen einsamen Trainingslauf über die Distanz von 22 km. Ich freute mich schon auf die nächste Woche.

Am 21. März machte ich mich mit meiner Freundin Leo auf nach Vachdorf zum Kulturlandschaftslauf. Für sie war es mal ein Test, wie sich 23 km anfühlen. Sie wollte in 2009 erstmals am Rennsteig beim Halbmarathon starten und war bis dahin einen „Halben“ gelaufen. Gemütlich kamen wir am Samstag gegen Mittag an und stärkten uns mit einem guten Essen im Restaurant des Öktohotels Vachdorf in dem wir übernachteten. Sonntagmorgen gings dann auf die Strecke und ich muss sagen, die war mörderisch. Schnell wurde mir klar, im Training war ich bisher nur Hügelchen gelaufen. Ich schloss mich wieder Frank und seiner Gruppe an und wir liefen am Schluss des Feldes. Zwischendrin meinte Frank dann, dass man diesen Lauf schon ganz gut hinbekommen sollte, wenn man sich auf den Rennsteig wagen will. In diesem Moment kamen mir arge Zweifel, ob das bei mir reicht. Er beruhigte mich dann aber und meinte, wenn du jetzt auch noch reden kannst klappt das schon. Ich sah das irgendwie anders… ich musste so viele Anstiege hoch gehen. Nach 3 Stunden und 18 Minuten war ich im Ziel. Meine Uhr zeigte über 24 km. Ich war total platt. Nach dem Lauf haben wir dann noch viele Leute wieder getroffen, die schon beim Gipfellauf dabei waren. Dann gings wieder nach Hause. Im Hinterkopf schon leichte Zweifel, ob das mit der Marathonanmeldung wirklich die richtige Entscheidung gewesen ist.

Der nächste Trainingslauf fand am 29. März auf der Fahner Höhe statt. An diesem Wochenende blieb ich allerdings auch wieder zu Hause und lief alleine.

Zusammen mit meinem Schatz Carsten, der mich in meinem Vorhaben sehr unterstützt hat fuhr ich am 4. April nach Erfurt Apfelstädt wo am 5. April dann der nächste Lauf um die 3 Gleichen stattfinden sollte. Im Hotel Park Inn haben wir dann ein richtig gutes Essen zu uns genommen. Sonntag starteten wir dann bei tollem Laufwetter zu unserem Trainingslauf. Wie gehabt lief ich wieder mit Frank, Martina, Michel und Petra, die noch die Nachwirkungen einer Grippe spürte, am Ende des Feldes. Es war ein wahnsinnig schöner Lauf! Ich musste nur ganz selten gehen und es nährte sich die Hoffnung, dass mein Vorhaben doch klappen könnte. Nach ca. 26 km und 3 Stunden 22 Minuten waren wir im Ziel. Die Verpflegung auf der Strecke war wieder optimal, keiner muss eigene Getränke mitschleppen. So nach und nach wurde ich zum Gemeinschaftsläufer. Bisher war ich immer lieber alleine unterwegs, da mir die meisten Leute, mit denen ich bis dahin gelaufen bin einfach zu schnell waren. Für mich war es wichtig, dass die Trainingsläufe auch solche sind und nicht schon zu einer richtigen Wettkampfbelastung führen. Ich freute mich jetzt schon auf den nächsten Lauf.

Dieser fand dann am 19. April im Rahmen des Rhöner Volkslaufs in Kaltennordheim statt. Alleine machte ich mich am Tag vorher auf und übernachtete in Kaltensundheim in einer netten kleinen Pension mit einem sehr guten Frühstücksbuffet. Hinter dem Laufladenteam fuhr ich dann am Sonntagmorgen nach Kaltennordheim zum Lauf. Vorher traf sich dann die ganze bekannte Truppe, ein schönes Gefühl da irgendwie dazu zugehören. Pünktlich kurz vor dem Start des offiziellen Volkslaufs machten wir uns auf die Strecke. Es sollten 28 km werden. Schon am Anfang merkte ich, heute ist irgendwas anders. Es lief gar nicht. Von der Landschaft her war dieser Lauf eigentlich ganz phantastisch, allerdings konnte ich glaub ich nicht einen km richtig genießen, es war ein Kampf von Anfang bis Ende. Die letzten beiden km musste ich dann gehen. Frank blieb während der ganzen Zeit bei mir. Das letzte Stück ins Ziel liefen wir dann wieder, nach 3 Stunden 25 Minuten hatte ich es geschafft. Die Strecke war etwas kürzer als ausgeschrieben und doch viel zu lang… Ich weiß nicht woran es lag, dass es an diesem Tag so schlecht lief. Wahrscheinlich eine Kombination aus mehreren Faktoren. Es war recht warm, ich bin gar kein Typ der bei Wärme gerne läuft, außerdem war ich Donnerstag vorher zu Hyposensibilisierung gegen Birkenpollen. Mein Körper war wahrscheinlich mit der Verarbeitung dieses Anschlags beschäftigt. Nach dem Lauf fuhr ich wieder etwas entmutigt zum Hotel zurück um zu duschen und mich vielleicht noch kurz auszuruhen. Als ich dort angelangt war gings mir schon wieder besser. Ausruhen musste ich nicht mehr, nach dem Duschen fuhr ich nach Hause. Auch auf der Fahrt gings mir wieder gut. Die doch relativ schnelle Erholung machte mir dann doch wieder Mut.

Nach dem Lauf war ich völlig versalzen im Gesicht. Ich wollte versuchen zu den nächsten Läufen den Verlust mit Salztabletten auszugleichen.

Der nächste und für mich gleichzeitig auch letzte Trainingslauf war am 26. April der Lauf auf der originalen Rennsteiglaufstrecke von Friedrichshöhe nach Schmiedefeld – 32 km. Ich fuhr wieder zusammen mit Carsten am Tag vor dem Lauf nach Schmiedefeld. Abends trafen wir uns schon mit den vorab Angereisten zum Rouladenessen. Es war ein schöner Abend. Am Sonntagmorgen wurden wir dann mit Bussen nach Friedrichshöhe gefahren. Busfahren ist irgendwie nix für mich, mir war nach der Ankunft total schlecht. Das wurde aber schnell besser und wir machten uns mit einem recht großen Läuferfeld auf die Strecke. Die ersten 5 km waren irgendwie sehr anstrengend für mich. Zwischendrin fragten ich dann: Geht’s auch bald wieder runter? Ja es ging und ich war wieder fit. Der Rest des Laufs war unglaublich schön. Ziemlichen Respekt hatte ich vor diesem Berg zum Ziel. Eigentlich würde ich einen solchen Anstieg gehen, Frank allerdings meinte der wird mit einem Lächeln hoch gelaufen. Ich war sehr skeptisch! Wir hatten uns den Lauf hervorragend eingeteilt und es ging wirklich, man konnte diesen Berg tatsächlich laufend bewältigen. Im Ziel war ich mir dann sicher, heute hätte ich auch noch weiter laufen können.

Mit dieser Erkenntnis konnte ich es nun kaum mehr erwarten bis es endlich los geht. Am 3. Mai wäre noch ein Trainingslauf im Rahmen des Finnelaufs gewesen. An dem nahm ich aber, wie der größte Teil der bisherigen Mitstreiter, nicht teil. Ich lief für mich allein noch mal 23km. Danach habe ich dann nur noch kürzere Trainingseinheiten bis max. 12km gemacht.

Dann war es endlich so weit. Am Donnerstag, 14. Mai fuhr ich gegen Abend zusammen mit Carsten in Richtung Neuhaus. Wir genossen noch ein sehr leckeres Abendessen im Hotel und fielen dann ins Bett. Richtig fest konnte ich irgendwie nicht schlafen. Ich war bereits jetzt schon ziemlich aufgeregt. Freitag kauften wir dann ein paar Dinge ein und am Nachmittag holten wir meine Startnummer. Dort trafen wir dann auch Petra und noch ein paar andere Leute. Gegen halb sieben machten wir uns noch mal auf zum Rouladenessen und um ein bisschen von der Rennsteiglaufstimmung in der Halle aufzunehmen. In der Hotelbar ließen wir den Abend ausklingen. Der Schlaf in der Nacht war sehr unruhig. Am Morgen war ich dann hypernervös und musste mir mein Frühstück wirklich runterwürgen. Hunger hatte ich wirklich keinen aber es musste eine Grundlage für den Lauf her. Am Start trafen wir dann alle wieder, die Stimmung war großartig. Ich wollte mit Frank, seiner Frau und noch zwei anderen Mädels zusammen laufen. Wir hatten unser Ziel bei 6 Stunden gesetzt. Wenn´s drunter wird ist es schön, wenn´s mehr wird ist´s auch egel, Hauptsache ankommen und den Lauf genießen. Tückisch ist, dass es nach dem ersten kleinen Anstieg am Start tendenziell eher runter geht und man zum schnelleren laufen animiert wird. Wir ließen uns dadurch aber nicht beirren. Ich glaube, wenn ich alleine gelaufen wäre, hätte das ganz schön schief gehen können. Die ersten km liefen gut und schnell waren wir in Friedrichshöhe von da ab kannte ich die Strecke, was irgendwie Sicherheit gab. Wir haben an jeder Verpflegungsstelle kurz angehalten und uns ausgiebig versorgt. Das Wetter meinte es sehr gut mit uns. Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass es mir zu heiß wird. Die 6km von der Schwalbenhauptwiese nach Neustadt waren die schwersten für mich. Es ging immer bergan. Die Steigung ist nicht stark aber hinterhältig. Das erste Stück entschieden wir uns auf der Straße zu laufen. Mir machte die Sonnte ganz schön zu schaffen und ich hatte das erste Mal während dem Lauf das Gefühl, dass es ziemlich schwer werden könnte. Ich lief zusammen mit Frank ein wenig langsamer als die anderen. Am Ortseingang von Kahlert gab es dann einen Trinkwassertrog. Die Gelegenheit hab ich genutzt um mir ein bisschen Erfrischung zu verschaffen. Mein Tuch für den Kopf machte ich nass, so wurde der wieder kühl und mir gings wieder gut. Bis zur Verpflegungsstelle nach Neustadt war es jetzt nicht mehr weit. Dort wollte ich eigentlich so ein Powergel zu mir nehmen. Viele schwören ja auf den Haferschleim. Ich konnte den aber beim Vorbereitungslauf schon nicht kosten, da ich bereits den Anblick schrecklich finde. Das Gel war leider aus, wir waren zu spät. Auf einmal stieg mir der Duft eines Salamibrotes in die Nase. Ich dachte, du wirst doch nicht während dem Lauf so ein Brot essen. Doch ich tat es und ich nahm auch noch ein zweites. Frisch gestärkt gings weiter in Richtung großer Burgberg. Das Salamibrot war mir hervorragend bekommen und es lief weiter richtig gut. Den Berg gingen wir im schnellen Schritt nach oben und dann war´s gar nicht mehr so weit. Den Zielberg liefen wir hoch erhobenen Hauptes nach oben. Es war ein irres Gefühl. Dann oben noch eine Runde um den Sportplatz und wir waren im Ziel. Überglücklich fielen wir uns in die Arme. Ich hatte es geschafft und die Zeit war ein Traum: 5:56:03. Und viel wichtiger als die Zeit war, dass der Lauf von Anfang bis zum Ende (mit Ausnahme des kleinen Stücks bis Kahlert) Spaß gemacht hat, wir haben uns über alle möglichen Dinge unterhalten und haben während des Laufens auch viel gelacht.

Nach dem Lauf kam dann die Party im Festzelt. Auch diese war großartig und hat das Lauferlebnis perfekt abgerundet. Da das mit den Shuttlebussen in Richtung der Startorte abends nicht so funktioniert hat wie ich mir das vorgestellt habe, sind Carsten und ich mit dem Taxi nach Neuhaus zurückgekehrt. Ich war todmüde und mir taten die Knie ziemlich weh, Muskelkater hatte ich noch nicht. In der Nacht merkte ich immer noch meine schmerzenden Knie. Komischerweise war dieser Schmerz beim Aufstehen einfach weg, ich hatte nun nur noch schwere Beine, Muskelkater weiter Fehlanzeige. Rundum glücklich fuhren wir nach dem Frühstück dann weiter zu unseren Eltern.

Im Nachhinein betrachtet war meine Entscheidung mit Hilfe der „Aufs Ganze“ – Aktion auf den Marathon umzusteigen absolut die richtige. Mir hat die Marathonstrecke sehr gut gefallen und auch die Vorbereitung war trotz oder auch wegen ihrer Höhen und Tiefen eine tolle Zeit. Ein wunderschöner Nebeneffekt war, dass ich sehr viele liebe Menschen kennergelernt habe. Für das nächste Jahr hab ich mich gleich im Ziel wieder für den Marathon angemeldet. Ich freue mich schon jetzt auf die Vorbereitung. Auch 2010 werde ich die Trainingsläufe wieder mitmachen.

Veronika Knabe

Aufs Ganze 2013 - es geht weiter

Hier erfahren Sie wie es 2013 mit der Aktion weitergeht.

Aktionen 2011 / 2012

  • Mit dem 21. Rennsteig - Herbstlauf von Neuhaus nach Masserberg fiel am 09. Oktober 2011 der Startschuss für die Aktion "Aufs Ganze" 2012.
  • Den zweiten Teil der Rennsteiglauf-Marathonstrecke zwischen Dreistromstein und Schmiedefeld können Sie im Rahmen des 33 km langen Trainingslaufes am 22. April 2012 erkunden. Hier können sich anmelden.