auf's Ganze

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Laufbericht von Ulrike Wandelt

34. Rennsteiglauf 20.05.2006
Mein 1. Marathon

6.00 Uhr
Der Wecker klingelt und ich kann endlich aufstehen. Bin doch schon seit längerem wach und mir spuken die tollsten Sachen durch den Kopf. Habe ich wirklich ausreichend trainiert? Überschätze ich mich nicht mit dem Marathon? Werde ich das Ziel überhaupt und wenn ja, wie werde ich das Ziel erreichen?
Fragen über Fragen und die Antworten werde ich erst Stunden später wissen. Jetzt aber endlich raus aus dem Bett.
Als erstes schaue ich aus dem Fenster und zum Glück regnet es nicht. Sieht zwar grau aus, aber nicht nach dem vorausgesagtem Dauerregen.

7.00 Uhr
Nach leichtem Frühstück heißt es nun endlich Abfahrt nach Neuhaus. Mein Mann und mein Bruder wollten es sich nicht nehmen lassen, mich an den Start meines 1. Marathons zu begleiten und sind das Beste, was mir an diesem morgen passieren kann, da sich meine Aufregung so langsam immer mehr steigert. Die Fahrt geht mir natürlich viel zu langsam und obwohl noch knapp 2 Stunden bis zum Start bleiben, habe ich Angst, diesen zu verpassen. Als wir uns Neuhaus endlich nähern, wird die Autoschlange immer größer und uns bleibt nichts weiter übrig, als uns brav mit einzureihen. Zum Glück sehe ich in den anderen Autos auch Läufer und werde langsam etwas ruhiger, denn die wollen ja schließlich auch noch alle an den Start.

8.15 Uhr
Wir passieren das Ortseingangsschild von Neuhaus und nun bin auch ich mir ganz sicher, dass ich den Startschuss nicht verpasse, denn bis vor kurzem habe ich meinen Mann und meinen Bruder bestimm ganz schön mit meinen Ängsten genervt. Jetzt bloß schnell einen Parkplatz suchen und ab zur großen Wiese am Apelberg. Unvorstellbar und zugleich bewundernswert, was sich mit uns für Menschenmassen genau in die gleiche Richtung bewegen. Endlich haben wir das Ziel erreicht und jetzt heißt es nur noch Frank und die anderen von Laufladen und der Aktion „Auf’s Ganze“ zu finden. Scheint mir auf den ersten Blick fast unmöglich und in mir macht sich wieder ein wenig Unbehagen breit. Immer und immer wieder kreise ich mit meinen Blicken über die Menschenmassen sowohl in der Turnhalle als auch auf der Wiese, aber nirgends ein bekanntes Gesicht. Am meisten suche ich auch nach Mario und Carsten, ebenfalls Marathonneulinge, mit denen ich gemeinsam die Höhen und Tiefen unseres 1. Rennsteiglaufmarathons meistern wollte, nachdem wir schon mit viel Spaß ein paar vom Laufladen organisierte Trainingsläufe zusammen bestritten hatten. Panik beginnt sich breit zu machen, denn bei Frank sollten ja auch die Zug - und Bremsläufer sein und ich wollte mich eigentlich an den 5-Stunden-Läufer hängen.
Endlich sehe ich Frank und bei ihm auch die anderen, ein Stein fällt mir vom Herzen. Wir sind alle guter Dinge, Frank stellt uns die jeweiligen Zug - und Bremsläufer vor, für die Zielzeit 5 Stunden sind das Katrin und Johannes und dann begeben wir uns so langsam an den Start.
Die Stimmung ist unbeschreiblich, mit tausenden Gleichgesinnten schunkeln wir zum Schneewalzer, singen und warten auf den Startschuss.

9.00 Uhr
Der Startschuss fällt, jetzt gibt es kein zurück und ich freue mich, endlich loslaufen zu können.
Gesäumt von vielen begeisterten Zuschauern geht es auf der Straße aus Neuhaus heraus, neben mir Mario und Carsten, in Sichtweite Johannes und Katrin. Ich habe ein super Gefühl, die Beine laufen wie von allein und die Anspannung beginnt sich so langsam zu legen. Wir drei plaudern noch ein bisschen über die gestrige Nudelparty im Cafe im Rotem Turm, finden unseren Rhythmus und merken dabei gar nicht, dass sich unsere Zug - und Bremsläufer schon so ca. 50-100 m von uns entfernt haben. Carsten gibt Gas und versucht wieder aufzuschließen, während sich Mario und ich nicht irritieren lassen, schließlich liegen noch viele Kilometer vor uns. Wir versuchen, die beiden nicht ganz aus den Augen zu verlieren, obwohl ich schon so ein bisschen unruhig werde, denn eigentlich waren die 5 Stunden mein persönliches Ziel. Mario versucht mich zu beruhigen, denn er ist fest davon überzeugt, dass die anderen einfach zu schnell begonnen haben. Obwohl ich ihm nicht so ganz glaube, laufen wir in unserem Tempo weiter und lassen fast ungemerkt Kilometer für Kilometer hinter uns, bis jetzt läuft es prima. Die erste Verpflegungsstelle naht, Mario und ich sind uns einig, dass wir nicht stehen bleiben wollen, sondern im Gehen etwas Trinken und eine Kleinigkeit essen. Ich erinnere mich noch schnell an die Worte von Martin, dass ich an jeder Verpflegungsstelle 2 Becher trinken und auch nicht erst auf den Hunger warten soll. Innerhalb von kurzer Zeit sind die „Tanks“ gefüllt und wir schon wieder auf der Strecke. Vergebens suche ich nach Katrin oder Johannes, ich kann sie in sichtbare Nähe vor uns nicht finden, auch von Carsten keine Spur. Schon wieder Panik, eben waren sie doch noch vor uns. Sollten wir den wirklich soviel Zeit am Dreistromstein gebraucht haben? Scheint mir fast unmöglich, denn wir haben doch gar keine richtige Pause gemacht? Naja, es nützt nichts, wir laufen in unserem Tempo weiter und fühlen uns gut. In Gedanken hake ich aber die 5 Stunden schon ab. Von der Eisfelder Ausspanne geht es bergauf und wenn ich mich so recht an die Streckenbeschreibung erinnere, werden wir gleich den höchsten Punkt der Marathonstrecke erreichen. Erstaunlich gut nehmen wir den Anstieg, passieren die Zwischenzeitnahme und freuen uns gemeinsam auf die nächste Verpflegungsstelle. Ich greife wieder zu 2 Bechern Tee und mit einiger Überwindung auch einen Becher Schleim, denn der scheint mir für unterwegs, neben Bananen, am besten geeignet.
Bin echt überrascht, da der richtig lecker schmeckt und ich glaube nicht, dass das nur an den Umständen liegt, oder doch? Egal, er tut gut und weiter geht’s. Ich drehe mich noch mal um und traue meinen Augen nicht, als ich Katrin sehe. Freude und Erleichterung machen sich breit, wir waren also seit der 1. Verpflegungsstelle vor den 5-Stundenläufern. Mein Ziel rückt erstmal wieder in greifbare Nähe, zumal Katrin auch sagt, dass wir super in der Zeit liegen und so ca. 20 min Puffer haben. Euphorisch geht es weiter, endlich sind wir auch wieder „komplett“, denn Carsten läuft neben uns. Wir nähern uns langsam der Schwalbenhauptwiese und ab da betreten wir „bekanntes Gebiet“, da wir die Strecke von dort bis nach Schmiedefeld vor 2 Wochen abgelaufen sind. Nun kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen (hoffen wir drei);-)! Wir erreichen Neustadt und ich kann es kaum glauben, dass ich mich noch so richtig gut fühle, obwohl schon mehr als die Hälfte der Strecke hinter uns liegt. Ich will es aber nicht beschreien, denn wenn man Berichten glauben darf, dann ist der „Einbruch“ so bei km 30/35 zu erwarten. Gleich kommt der Burgberg und den habe ich vom Trainingslauf in keiner guten Erinnerung. Mal sehen, ob der heute noch genau so steil ist? Wie zu erwarten, er ist es! Zum Glück sagt uns Katrin noch, dass wir den lieber gehen sollen und so nehmen wir ihn mit fast allen anderen im Schritt. Weiter geht’s, wir liegen gut in der Zeit und ich kann es kaum glauben, dass wir schon den Dreiherrenstein erreichen. Riesige Freude, als ich am Wegrand meine Eltern und auch meinen Bruder entdecke, mit Rasseln und Pfeife wollen sie mich bestmöglich unterstützen und mir alles Gute für den Rest der Strecke wünschen. Frisch gestärkt und motiviert geht es auf nach Frauenwald. So langsam fange ich an, mir „Sorgen“ zu machen, da ich immer noch bestens drauf bin und keinerlei Probleme habe. Dabei sind wir doch schon über km 35? Naja, vielleicht kommt es ja bei mir später? Aber auch Mario und Carsten geht es zum Glück noch gut. Kurz vor der letzten Verpflegungsstelle wieder eine riesige Freude, als ich plötzlich meine beste Freundin und 2 Kolleginnen von mir entdecke. Auch sie haben es sich, trotz des inzwischen angefangenen Regens, nicht nehmen lassen, mich an der Strecke zu unterstützen. Ilka läuft ein paar Meter neben mir her und wünscht mir für den Rest der Strecke alles alles Gute.
Obwohl es als Energieschub beschrieben wird, getraue ich mich nicht, an der letzten Verpflegungsstelle in Frauenwald einen Schluck Köstritzer Schwarzbier zu trinken, ich bleibe, im Gegensatz zu Carsten, lieber wieder beim Tee.
Wenn ich den Kilometerangaben am Wegesrand glauben soll, dann sind es ja nur noch knapp 6 Kilometer? Unvorstellbar und mir scheint es ein leichtes, diese noch zu schaffen. Soll ich denn wirklich soviel Endorphine ausschütten, die mich beflügeln? Logischer erscheint mir, dass ich durch den Trainingsplan von Martin und die tolle Vorbereitung durch den Laufladen Erfurt einfach auf den Tag genau fit bin. Vielleicht ist es ja auch beides? Aber ich verspüre schon jetzt eine große Dankbarkeit gegenüber Frank und seiner ganzen Mannschaft.
Wir können jetzt im Wald schon die Lautsprecher vom Schmiedefelder Sportplatz hören, unser Ziel rückt in greifbare Nähe und beflügelt uns erneut. Ein Blick auf meine Pulsuhr lässt mich hoffen, dass ich auch mein persönliches Ziel von 5 Stunden schaffen könnte.
So langsam merke ich meine Oberschenkel ein bisschen und obwohl schon mehr als 40 km in meinen Beinen stecken, könnte ich es nicht als schlimm bezeichnen. Ich kann es kaum fassen, als wir Schmiedefeld erreichen. Jetzt heißt es noch mal alles geben, denn der letzte Anstieg zum Sportplatz ist nicht zu verachten. Es regnet in Strömen und trotzdem ist die Straße mit begeisterten Zuschauern gesäumt. Als ich dann auch noch meinen Mann entdecke, tragen mich meine Beine wie von allein. Mit Gänsehaut erreiche ich das Stadion und wir werden mit einer unbeschreiblichen Begeisterung auf unseren letzten Metern begleitet.
Überglücklich überschreiten wir drei, Hand in Hand, nach 4:55 das Ziel!!!

Ulrike Wandelt

Aufs Ganze 2013 - es geht weiter

Hier erfahren Sie wie es 2013 mit der Aktion weitergeht.

Aktionen 2011 / 2012

  • Mit dem 21. Rennsteig - Herbstlauf von Neuhaus nach Masserberg fiel am 09. Oktober 2011 der Startschuss für die Aktion "Aufs Ganze" 2012.
  • Den zweiten Teil der Rennsteiglauf-Marathonstrecke zwischen Dreistromstein und Schmiedefeld können Sie im Rahmen des 33 km langen Trainingslaufes am 22. April 2012 erkunden. Hier können sich anmelden.